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🧡🌿 Krümel und die Lichtpfote – Teil 3: Der Ruf des Herzens

  • 11. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Über dem Haus am Rabenbühl lag eine dieser Nächte, die sich anfühlen, als hielte die Welt kurz den Atem an.Der Wind hatte sich gelegt, der Himmel spannte sich klar über den Hügeln, und im Wohnzimmer glimmte noch das letzte Licht der Kerzen, die Mama – meine Ursel – immer anzündet, wenn sie arbeitet.Sie saß auf dem Sofa, eingewickelt in die weiche Decke, die nach Lavendel roch, und hielt ihr neues Armband in der Hand. Orange und grün schimmerten im Kerzenschein – das Lichtpfoten-Armband. In der Mitte der kleine Leuchtturm, daneben die Katze mit dem Herz.Roland saß neben ihr, den Arm um sie gelegt, und ich lag – wie es sich gehört – auf ihrem Schoß, den Kopf auf ihrem Knie, die Augen halb geschlossen, als würde ich schlafen.Aber ich schlief nicht.



Ich hörte etwas.Ein feines, tiefes Pochen, kaum mehr als ein Hauch – und es kam nicht von den Kerzen, nicht von draußen, sondern von dem Armband selbst. Es war das Herzlicht, das Alursra mir angekündigt hatte.Und ich wusste: Die Geschichte war noch nicht zu Ende.

In jener Nacht, als alles schlief, öffnete ich die Augen, und der Raum leuchtete in einem sanften Schein.Das Armband pulsierte, ganz sachte, und aus dem Licht formte sich eine kleine Gestalt – schimmernd, zart, vertraut: Alursra, meine Lichtbotin.


„Krümel“, flüsterte sie, „das Licht brennt, aber sein Ruf geht weiter. Ein Leuchtturm ist nur dann vollkommen, wenn sein Licht geteilt wird. Heute Nacht wirst du lernen, wie man Licht verschenkt, ohne es zu verlieren.“

Ich streckte mich und gähnte. „Klingt nett, aber es ist mitten in der Nacht.“

Sie lächelte, neigte den Kopf. „Das Licht kennt keine Uhrzeiten, mein Kleiner.“Mit einer Bewegung ihrer Hand öffnete sich vor uns ein Kreis aus warmem Glanz.„Komm. Ich zeige dir den Ort, an dem das Herz der Lichtpfote schlägt.“


Ich sprang durch den Kreis – und wir waren plötzlich draußen, nicht im Garten, sondern auf einer Anhöhe über dem Rabenbühl.Das Dorf lag still unter uns, und in der Ferne glitzerte die Naab wie ein silberner Faden.Der Himmel war voller Sterne, und irgendwo ganz tief unten blinkte etwas – ein kleines, verlorenes Licht.


„Siehst du das?“ fragte Alursra.Ich nickte. „Was ist das?“

„Das Herz eines Menschen, der sein eigenes Licht vergessen hat.“

Sie legte mir die Hand auf den Kopf, und sofort wusste ich, wohin wir mussten.Wir folgten dem schwachen Glühen bis an den Waldrand, dorthin, wo der Pfad schmal wird und die Schatten dichter.Dort saß eine Frau auf einer Bank – alt, müde, die Hände im Schoß, den Blick verloren im Dunkel.Neben ihr eine kleine Laterne, deren Flamme fast erloschen war.


„Sie hat aufgegeben, Krümel,“ flüsterte die Fee. „Manchmal verlöschen Lichter nicht, weil der Wind zu stark war – sondern weil niemand mehr daran glaubt, dass sie noch brennen dürfen.“

Ich ging langsam auf sie zu, sprang auf die Bank und legte meine Pfote in ihre Hand.Sie sah mich kaum an.Doch im Moment unserer Berührung begann mein Fell zu glühen – erst schwach, dann heller. Orange und grün zugleich, das Licht der Hoffnung und der Kraft.Ich hörte mein Herz schlagen – und irgendwo tief darin den Leuchtturm rufen, diesen klaren, hellen Klang, der Menschen heimführt.

Die Frau hob den Kopf.„Ach… du erinnerst mich an jemanden…“ flüsterte sie. „An meine Katze. Sie hieß Lotte. Sie war immer bei mir, wenn ich traurig war.“



Ich schnurrte. Ganz langsam, gleichmäßig, so wie nur ich das kann, wenn ich Licht schicken will.Und dann – ganz von selbst – begann das Armband auf Mamas Hand, irgendwo weit entfernt, heller zu leuchten.Ein goldener Strahl schoss durch die Dunkelheit, fand den Weg über Hügel und Häuser – bis er die kleine Bank erreichte. Er legte sich wie eine warme Decke über uns, und plötzlich flammte die Laterne der Frau auf, heller als zuvor.



Sie sah das Licht, lächelte schwach – und zum ersten Mal seit langer Zeit richtete sie sich auf.„Danke, kleiner Fremder,“ sagte sie. „Ich glaub, ich geh jetzt heim.“

Alursra stand neben mir, Tränen in den Augen.„Du hast verstanden, Krümel. Ein Leuchtturm leuchtet, um anderen den Weg zu zeigen. Und jedes Herz, das du berührst, verstärkt dein eigenes Licht.“

Ich blickte auf meine Pfote – das Symbol der Lichtpfote glühte kräftiger als je zuvor.

Am nächsten Morgen schien die Sonne über dem Rabenbühl wie nie zuvor.Mama saß am Fenster mit Roland, den Arm um ihn gelegt, das Armband an ihrem Handgelenk funkelte im Tageslicht.

„Komisch,“ sagte sie lächelnd, „heute leuchtet es irgendwie stärker. Als hätte es sich über Nacht aufgeladen.“


Roland nickte. „Vielleicht hat Krümel wieder gezaubert.“

Ich streckte mich auf der Fensterbank und schnurrte – leise, zufrieden, wissend.Denn ich spürte es: das Band zwischen uns dreien, zwischen Himmel und Erde, zwischen Fee und Mensch, zwischen Hoffnung und Liebe.Das Licht war nicht nur zurückgekehrt – es war zu Hause.



🐾 Krümel-Kommentar:„Und falls du dich fragst, warum das Armband manchmal glitzert, obwohl kein Lichtstrahl drauf fällt: Vielleicht war ich nachts wieder unterwegs. Oder das Herz der Lichtpfote sagt einfach Hallo.“ 😸🧡🌿



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